Reinhardsbrunn - ein Ort mit Tradition
Im Jahr 724 n.Chr. hat der ‚Apostel der Deutschen’
Bonifatius unweit von Friedrichroda seine erste Thüringer Kirche, die
Johannistaufkirche errichtet. Wenige Kilometer weiter östlich, in Ohrdruf,
gründete er das erste Thüringer Kloster und damit auch die erste nachweisbare
Schule des Landes.

Nachbau der Johannistaufkirche auf dem Gelände in Reinhardsbrunn
Seit dieser Zeit ist Bildung ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Vor allem die Klöster waren Jahrhunderte lang Stätten der Aus- und Weiterbildung. Von dort aus gab es Impulse für Schulen und Hochschulen, das staatliche Bildungswesen wäre ohne diese Einflüsse nicht vorstellbar.
Nach der Reformation von 1517 übernahmen die jeweiligen Fürstenhäuser die Verantwortung für das Bildungswesen in ihrem Bereich, die Gründung von Universitäten wurde Landessache. Für den Elementarunterricht spielte das Herzoghaus Sachsen-Coburg-Gotha eine herausragende Rolle. Herzog Ernst I. veranlasste im 17.Jahrhundert die Gründung von Volksschulen und führte als erster in Deutschland die Schulpflicht für Kinder aller Stände ein. Neben den Fürstenschulen gab es damit auch die Schulen für Bürger-, Handwerker- und Bauernkinder. Herzog Ernst I. war es auch, der in Reinhardsbrunn, am Standort des ehemaligen Benediktinerklosters eine Europäische Akademie errichten wollte, um die Streitigkeiten zwischen den protestantischen Kirchen Europas beizulegen.
Die Bildungstradition spielt damit für die Region eine besondere Rolle. Aus den Wurzeln hat sich durch die Jahrhunderte ein vielgestaltiges Spektrum von Aus- und Weiterbildung entwickelt. Bildung ist in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland wichtiges Kapital und Ressource.
Die Vereine im Klosterpark
knüpfen mit ihren Bildungsangeboten an die klösterliche Tradition an. In
Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen engagieren
sich die Vereinsmitglieder für die religiöse und kulturelle Bildung und
entwickeln Projekte im Bereich Spiritueller Tourismus und zur Stärkung des
sozialen Europa.
Die 2008 begonnene Lutherdekade der evangelischen Kirchen wird auf das Thema
Bildung einen besonderen Schwerpunkt legen. Reinhardsbrunn als einer der 21
Thüringer Lutherorte, die durch den Lutherweg miteinander verbunden werden,
kann die Bildungstradition des Ortes einbringen.
Angesichts aktueller Kürzungen im Bildungsetat des Freistaates Thüringen, die besonders die Erwachsenenbildung treffen, ist es notwendig, bestehende Bildungsstandorte zu sichern und weiterzuentwickeln. Dazu hilft die Rückbesinnung auf die Wurzeln.